Akademie der Künste eröffnet Jan-Schlubach-Archiv

Die Akademie der Künste hat den künstlerischen Nachlass des Bühnenbildners und Szenographen Jan Schlubach (1920-2006) übernommen und stellt ihn, nunmehr vollständig erschlossen, der Forschung und interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.

Der aus einer Hamburger Kaufmannsfamilie stammende Jan Schlubach arbeitete nach Kriegsdienst und Gefangenschaft zunächst als Bühnenbildner an verschiedenen Münchner Bühnen. Da es noch keine funktionierenden Kunsthochschulen gab, blieb er Autodidakt und lernte in der Praxis. 1948 begann eine langjährige künstlerische Partnerschaft mit dem Intendanten und Regisseur Heinz Hilpert mit über siebzig gemeinsamen Inszenierungen, erst in Konstanz und von 1950 bis 1959 am Deutschen Theater in Göttingen. 1959 verließ Schlubach Göttingen und arbeitete an Theatern und Opern in Berlin, Hamburg und Köln, u. a. mit Rudolf Noelte, der ihn auch zum damals noch neuen Medium Fernsehen brachte. Neben der weiteren Tätigkeit für die Bühne entwarf er hier ab 1960 Szenenbilder für Rudolf Noelte und Ludwig Cremer, v. a. aber für den Regisseur Peter Beauvais, mit dem gemeinsam über vierzig anspruchsvolle Werke entstanden, darunter die erfolgreichen Filme “Im Reservat” (1971) und “Deutschstunde” (1973) nach Siegfried Lenz.

Seit den 1970er Jahren war Jan Schlubach dann international für Kino, Fernsehen und Bühne tätig wie bei “Die Unerreichbare” (1982) von Krzysztof Zanussi oder “James Bond 007 – Octopussy” (1983). Ein Höhepunkt seiner Karriere war die langjährige Zusammenarbeit mit Stanley Kubrick, u. a. bei “Barry Lyndon” (1975), und “The Shining” (1980). Weitere herausragende Arbeiten als Szenenbildner waren der Film “Fabian” von Wolf Gremm, für den Schlubach 1980 den Deutschen Filmpreis erhielt, sowie “Der Rosengarten” (1990) mit Liv Ullmann und Maximilian Schell, der für den Deutschen Filmpreis und den Golden Globe nominiert wurde.

Schlubach, der auch als Filmpädagoge wirkte, war seit 2000 Mitglied der Akademie der Künste und stiftete das Alfred-Hirschmeier-Stipendium der Akademie für junge Filmszenographen.

Das Jan-Schlubach-Archiv umfasst ca. 20 Regalmeter. Bühnen- und Szenenbildentwürfe zu einem Großteil seines Werkes von über 70 Filmproduktionen, aber auch nicht realisierten Projekten, finden sich darin ebenso wie Korrespondenzen, u. a. mit Stanley Kubrick, Heinz Hilpert, Rudolf Noelte, Gustaf Gründgens, Brigitte Horney, Volker Schlöndorff, Leonhard Steckel, Michael Hampe, Marcel Marceau, Siegfried Lenz, Tatjana Gsovsky, Carl Zuckmayer und Boleslaw Barlog. Besondere Erwähnung verdient die umfangreiche Korrespondenz mit seinem Bruder, dem Architekten und Hans-Poelzig-Schüler Edgar Schlubach.

Die herausragende Bedeutung Jan Schlubachs für die deutsche Film- und Fernsehlandschaft wird in den nächsten Tagen erneut gewürdigt; er zählt zu den 40 Filmschaffenden, die auf dem “Boulevard der Stars” am Potsdamer Platz einen Stern erhalten.

Für Rückfragen: Torsten Musial, Leiter Archiv Film- und Medienkunst, http:// www.adk.de